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„Corona ist wie ein IKEA-Möbeltest“, so Corinna Cremer, Krisen-Consultant

„Corona ist wie ein IKEA-Möbeltest. Es bricht an den Stellen, wo es vorher schon geknackt hat“, so Corinna Cremer, Krisen-Consultant

 

Corinna Cremer, Krisen-Consultant, berät Unternehmer und Führungsverantwortliche im Umgang mit selbstgewählten Herausforderungen und nicht selbstgewählten Krisen, wie die Corona Krise, inmitten derer wir uns gerade befinden. Sie hat ihren Arbeitsplatz in der Französischen Straße, Berlin. Corinna Cremer hat 25 Jahre Berufserfahrung als Consultant und Coach, ist Pilotin, Autorin und gefragte Rednerin. Corinna Cremer versteht die Corona-Zeit als Chance, weil sich das Bewusstsein für Krisen schärft. Bei Ihren Klienten hält sich derzeit die Waage zwischen den Unternehmen, die auf Ausnahmesituationen vorbereitet sind und denen, die von der Krise vollkommen unvorbereitet getroffen werden. „Für uns ist die Corona-Krise auch eine Bestätigung, dass unsere Konzepte und Trainings greifen. Ich habe manchmal Tränen in den Augen, weil es mit der Kommunikation zu den Klienten in diesen Tagen so gut klappt. Es gibt neue Probleme, es werden neue Lösungen gefunden. Das geht nur, wenn das Team steht und keiner Angst hat. Bei Angst springt das Kreativzentrum nicht an. Der Unterschied bei Unternehmen ist derzeit so drastisch, das ist unglaublich.“

 

Corona: Psychische Belastungen werden „post exit“ durch die Decke gehen

 

Wenn Unternehmen keine Strukturen für eine Krise vorgegeben haben, wird es momentan sehr schwer. In Deutschland gibt es eine unglaubliche Vielfalt im Umgang mit der Krise. „Wir haben mit einem 30.000 Mitarbeiter starken Konzern zu tun, die haben einfach zugesperrt. Da kommt es zu ersten Suiziden, wir sind nun als Hotline eingeschaltet worden. Und bei uns laufen die Telefone heiß, viele Mitarbeiter rufen bei uns an. Auch Führungskräfte melden sich und veranschlagen Termine, offiziell geht es um ein Leadership-Thema. Wenn wir dann den Termin haben, geht es zu 90 Prozent um private Dinge. „Ich wusste nicht, dass meine Frau so aggressiv den Kindern gegenüber ist“, „Ich bestelle bald unsere Scheidungspapiere“. Das sind keine Einzelsituationen sondern das haben wir hier jeden Tag!“, schildert Cremer die derzeitige Situation.

 

Der Trend zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung verstärkt sich durch Corona

 

„Corona ist eine Chance, auch gesellschaftlich, denn das Bewusstsein für den Wert der psychischen Stabilität ändert sich“. Man werde kein gesundes Unternehmen mehr führen können, wenn die Menschen dazu nicht da sind. „Es mangelt uns nicht an guten Ideen, es mangelt uns an den Menschen, die diese umsetzen. Wir haben zu lange geglaubt, wir sind das Volk der Erfinder, wir haben die Ideen aber jetzt brechen uns die Menschen weg, die diese umsetzten.“ Unternehmen, die großen Erfolg haben, hätten, so Cremer, erst in die Teams investiert, weil sie wussten, dass die Ideen sonst nicht umsetzbar wären.

 

Was wir von Google und der NASA lernen können: Psychological Safety

 

Das Schlagwort heißt: Psychological Safety. Wir brauchen Teams mit Gehirnen, die widerstandsfähig sind, Teams die mutig sind. Google setzte dazu die Kultur der „ich fühle mich sicher im Unternehmen, ich werde nicht beschämt, ich werde nicht hintergangen, es wird nicht getrickst“ ein. Ursprünglich kommt diese Psychological Safetyness von der NASA. Vor dem Absturz der Challenger hat sich nämlich jemand nicht getraut, etwas zu sagen, obwohl er wusste, das was nicht stimmt. In einer unsicheren Kultur haben Menschen Angst, etwas zu sagen. Daraus entwickelte sich dann das Konzept.

 

„Der Fokus auf den Menschen, auf psychische Gesundheit und Resilienz wird sich durch Corona weiter verstärken. Menschen möchten mehr Unterstützung zur Persönlichkeitsentwicklung haben. Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, ging es noch um Coolness. Heute geht es um belastbare Gelassenheit. Der Trend dazu war vorher schon da, aber die Coronakrise hat das massiv verstärkt. Der Fokus liegt jetzt ganz klar auf dem Menschen, auch wenn wir es nur aus finanzieller Sicht sehen. Es geht nichts ohne einen gesunden Menschen“, berichtet Cremer.

 

Was in der Krise zählt ist Vertrauen und Authentizität – in allen Bereichen!

 

Menschen nehmen jetzt ganz andere Dinge wahr als vorher. „Wir brauchen keine Verkäufer mehr, die uns mit aufgesetztem Lächeln himmelhochjauchzend ein Produkt verkaufen möchten, das gar nicht zu uns passt“, so Cremer. Die Zeit der Coachings, die auf kurzfristige Verhaltensänderungen abzielten, wird es nach Corona in dieser Form nicht mehr geben oder es wird zumindest signifikant weniger. Weil es nicht trägt! Was wir brauchen, ist der authentische Verkäufer, dem wir vertrauen, der echt ist und der es wirklich gut mit uns meint. Das ist ein anderer Trainingsansatz, weil er erst langfristig zum Umdenken führt.“

 

Nimmst Du den Ruf an?

 

Corinna Cremer: „Es gibt keine Familie, kein Unternehmen das jetzt zusammenbricht, wenn es nicht vorher schon geknackt hat. Jetzt fallen kleine Dinge auf die Füße. Es ist wie ein IKEA Test. Es bricht an den Stellen wo es knackt. Jetzt hat man die Chance zu sehen was knackt und etwas zu machen. Nimmst Du den Ruf an?“

Und am Ende ergibt alles einen Gin...!
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